Michael Sattlers Denkmal

Written by: Mark Waldner on Thursday, July 19th, 2012

Als Teilnehmer in einem Kurs am Goethe Institut hatten wir am Samstag frei. Ich beschloss, Rottenburg am Neckar zu besuchen, wo ein Denkmal für den Märtyrer Michael Sattler, einen Täufer aus dem sechzehnten Jahrhundert, steht. Rottenburg am Neckar liegt 130 km südöstlich von Schwäbisch Hall.

Ich bin um viertel vor 9 Uhr morgens von zu Hause losgefahren, leider ein bisschen zu spät, weil der Zug um 9:00 Uhr abfuhr. Johannes Brolich, mein Gastgeber, fuhr mich mit dem Kleinauto zu dem Bahnhof in Schwäbisch Hall-Hessental. Wir kamen zwei Minuten vor neun an!  Und dann mussten wir noch schnell den richtigen Zug finden.  Aber es gelang uns und ich verpasste den Zug nicht. Die Fahrt mit dem Zug dauerte 3 Stunden und ich musste zweimal umsteigen.

Während der Zugfahrt rief ich Mark H. an, der das Denkmal von Michael Sattler im Internet  beschrieben hat.  Er sagte mir Bescheid wie ich hinkommen konnte.  Google Maps war wunderbar um den Ort genau zu finden, und als ich in Rottenburg ankam, stieg ich aus dem Zug und wanderte, ohne mich zu verlaufen, ungefähr einen Kilometer lang, Richtung Süden, wo ich das Denkmal fand.

Michael Sattler war ein Wiedertäufer oder Täufer, der im sechzehnten Jahrhundert lebte. Unter Sattlers Führung entstanden die Schleitheimer Artikeln, neun Punkte, an die die Hutterer und andere Wiedertäufer Gruppen heute noch glauben.

Er wurde gefangen, und am 21. Mai 1527, wurde er vors Gericht geführt und verteidigte sich gegen neun Anklagepunkte. Zum Beispiel, er hätte „gelehrt das die Kindertauf nicht notwendig zur Seligkeit sei“ und „dass das Leib und Blut Christus nicht im Sakrament seien“.

Er sagte dem Richter, wenn sie „mit der Heiligen Schrift zeigen, dass wir irren und im Unrecht sind, wollen wir gern davon abstehen und widerrufen…So uns aber kein Irrtum nachgewiesen wird, hoffe ich zu Gott, ihr werdet euch bekehren und euch lehren lassen.“

Aber diese Rede gefiel den Richtern nicht und der Stadtschreiber antwortete: „Du ehrloser, verzweifelter Bösewicht und Mönch, sollte man etwa mit dir disputieren? Ja, der Henker wird mit dir disputieren, das glaube ich.“

Sein Urteil war wie folgend:

„Zwischen dem Anwalt kaiserlicher Majestät und Michael Sattler ist als Recht erkannt worden, daß man Michael Sattler dem Henker in die Hand geben soll. Der soll ihn auf den Platz führen und ihm die Zunge abschneiden, danach auf einen Wagen schmieden und dort zweimal mit glühenden Zangen seinen Leib reißen und danach, wenn man ihn vor das Tor bringt, ihm gleicherweise fünf Griffe geben.“

Michael Sattler wurde gefoltert und dann als Ketzer auf dem Scheiterhaufen zu Pulver verbrannt.

Das Denkmal ist außerhalb der Stadt Rottenburg, an einem Ort der Galgenbuckel genannt wird.  Dort nicht weit von dem reifenden Weizen und zwei Meter hohem Mais lag das Denkmal.  Vorne, aus dem großen Stein gehauen, stehen die Wörter “1527 – Michael u Margarethe Sattler. Sie starben für ihren Glauben.”

Auf der Rückseite des Steins steht der folgende Text:

Der Täufer Michael Sattler wurde am 20. Mai 1527 nach schweren Folterungen hier am “Galgenbuckel” durch Verbrennen hingerichtet.  Er starb als aufrechter Zeuge Jesu Chrisi.  Seine Frau Margaretha und andere Gemeindemitglieder wurden ertränkt und verbrannt. Sie traten ein:

Für die Taufe derer die Christus Nachfolgen wollen
Für eine unabhängige Gemeinde der Glaubenden
Für die Friedensbotschaft der Bergpredigt.

Michael Sattlers letzte Worte bei der Urteilsverkündigung: Ich bin nicht gesandt über das Wort Gottes zu rechten.  Wir sind gesandt, davon zu zeugen deshalb werden wir uns unter kein anderes Recht begeben….so wir uns aber dem Gericht nicht entziehen können, sind wir bereit um des Wortes Gottes willen zu leiden was uns zu leiden aufgelegt ist.

Man kann sich heute nicht mehr vorstellen wie stark der Glauben einiger Wiedertäufer war. Aber sie hatten keine Wahl: Entweder ihren Glauben wiederrufen oder sterben, und für viele war das Wiederrufen keinen Option. Ihr Blut das sie vergossen haben, war Zeuge für ihren Glauben und heute, als Hutterer, können wir viel von ihrer Standhaftigkeit lernen.

 

 

Danke Judit Szlkenr, für die Hilfe bei der Korrektur

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Showing 5 comments

Kathy said:reply
On: 21st Jul, 2012 at 04:03

I will come back and try to work through this. But really, a translation would go well for all the ‘others’ who will not get it as I will:) Why was this not tweeted? I just stumbled upon it. Hope to see more entries on your experiences. Take care. Hi to all from Kathy

    Mark Waldner said:reply
    On: 29th Jul, 2012 at 09:09

    Vielleicht werde ich es auf English übersetzen wenn ich wieder zu Hause bin…

Ralf Korbner said:reply
On: 17th Sep, 2012 at 04:28

Habe Mark’s Bericht mit Interesse gelesen. War gerade in Billings, MT (Los Angeles ist mein zu Hause), wo ich Hutterites auf dem Samstags-Markt zum ersten Mal begegnet bin. Interessant war das Deutsch. Ich konnte die Saetze als jemand, der reines, modernes Hochdeutsch spricht, verstehen, musste aber wegen der stark suedlichen Faerbung genau hinhoeren. Sicher haben sich in das Hutteriten-Deutsch ueber die Jahrhunderte der Wanderungen auch andere Elemente gemischt. Rein sprachgeschichtlich also sehr interessant, aber es ist auch schoen zu wissen, dass Hutteriten-Kanadier und Hutteriten-Amerikaner in Nord-Amerika offensichtlich ein gutes zu Hause gefunden haben. Ihre Webseite ist bewundernswuerdig und Ihre Geschichte faszinierend. Danke – Ralf

Johann said:reply
On: 21st Sep, 2012 at 04:01

The Radicals
http://www.youtube.com/watch?v=zrKNeCxCCoU

The year is 1525. Michael and Margaretha Sattler have fled their religious orders. Their quest is to restore the church to the purity of its early days when believers practised peace, compassion and sacrificial love.

The Sattlers join a group called the Anabaptists and together challenged the 1000 year control of the Church by the State. They call for baptism to once again become, not a mark of citizenship, but an adult and voluntary decision to follow Christ. As their movement grows, so does the determination of their enemies to stop them… by any means necessary.

In 1527, Michael is burned at the stake and Margaretha drowned. But their movement survives and today is carried on by the Mennonites, Mennonite Bretheren, Bretheren in Christ, the Hutterittes and the Amish.

Johan said:reply
On: 26th Sep, 2012 at 14:20

By faith these people overthrew kingdoms, ruled with justice, and received what God had promised them. They shut the mouths of lions, quenched the flames of fire, and escaped death by the edge of the sword. Their weakness was turned to strength. They became strong in battle and put whole armies to flight. Women received their loved ones back again from death.

But others were tortured, refusing to turn from God in order to be set free. They placed their hope in a better life after the resurrection. Some were jeered at, and their backs were cut open with whips. Others were chained in prisons. Some died by stoning, some were sawed in half, and others were killed with the sword. Some went about wearing skins of sheep and goats, destitute and oppressed and mistreated. They were too good for this world, wandering over deserts and mountains, hiding in caves and holes in the ground.
All these people earned a good reputation because of their faith, yet none of them received all that God had promised. For God had something better in mind for us, so that they would not reach perfection without us.
Heb11.33.NLT